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Stille, damit die Seele nicht taub wird

Karfreitagsliturgie in St. Sebastian in Magdeburg

Zur neunten Stunde begann die Feier vom Leiden und Sterben Jesu mit einem stillen Einzug. Die Ruhe und das Schweigen nahmen an diesem Karfreitag breiten Raum ein. Nach der Johannes-Passion nach Heinrich Rohr, gesungen von Chor und Solisten der Kathedralpfarrei St. Sebastian, sprach Diakon Wolfgang Gerlich in seiner Predigt vom Schweigen in heutiger Zeit.

„Als am letzten Montagabend tausende Menschen in Paris zusehen mussten, wie das brennende Dach der Notre Dame in sich zusammenstürzte – so berichten es viele - herrschte Schweigen. Auch die Liturgie heute am Karfreitag lässt - wie sonst nie im Kirchenjahr - diesem Schweigen weiten Raum. Ganz bewusst“, so der Diakon. „Gleichzeitig kann man beobachten: Bei allem, was gesagt, geschrien, getwittert oder gepostet wird, Positives und Negatives in unendlicher Menge: zuweilen drängt sich der Eindruck auf, die Summe alles Gesagten ist gleich Null.“

Aber in einer Welt des Leides und des Schreckens, der übertrieben Betriebsamkeit, braucht es Momente der Stille, „damit die Seele nicht taub wird.“ Das Kreuz sage ganz still, ohne Pauken und Trompeten: Seht, Gottes Liebe ist so unfassbar, dass sie alles erträgt, alles glaubt und allem stand hält.

Vom Kreuz herab sehnt sich Gott nach unserer Antwort, „er braucht nicht rituelle, eingeschliffene und oft abgenutzte Vollzüge eines alt gewordenen Glaubens.“ Vielmehr sehne sich Gott nach unseren geöffneten Herzen. „Vielleicht ist das der eigentliche Grund für jenes unfassbare Schweigen: Er wartet auf unser leises, vielleicht zaghaftes Ja. Er sehnt sich nach einer Antwort, so klein und kläglich diese auch sein mag.“

 

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