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Veränderung fängt bei der eigenen Person an

Besuch des Hauptgeschäftsführers von MISEREOR, Monsignore Pirmin Spiegel

In einer öffentlichen Runde im Eine-Welt-Haus Magdeburg kam der Hauptgeschäftsführer des Bischöflichen Hilfswerkes MISEREOR, Monsignore Pirmin Spiegel, mit Vertretern von regionalen Vereinen, die sich für eine gerechtere Welt einsetzen, ins Gespräch. Schnell wurde deutlich, dass Spiegel „nicht als Mitteilender, sondern als Lernender“ nach Magdeburg gekommen ist. Als einer der Hauptverantwortlichen des in über 92 Ländern aktiven Hilfswerkes sei er stets auf der Suche nach neuen Impulsen und Gedanken für die Arbeit von MISEREOR und bat aus diesem Grund bereits zu Beginn des Gespräches um reichhaltige Rückmeldungen.

Eine Frage, die den Monsignore beschäftigte war: Was hält unsere Gesellschaft zusammen und wodurch wird sie bedroht? Dazu besuchte Pirmin Spiegel gemeinsam mit seiner Referentin, Deborah d´Ambruosu, die katholische Erwachsenenbildung und machte sich ein Bild von der umfangreichen demokratiefördernden Projektarbeit. Im Gespräch mit dem KEB-Geschäftsführer, Ludger Nagel, und den Projektmitarbeiterinnen der KEB, wurde die besondere Situation der katholischen Kirche in der Diaspora ebenso deutlich wie die massive Bedrohung unseres Zusammenlebens durch rechtspopulistische Angriffe und die gezielte Bedrohung von Menschen anderer Herkunft. Gemeinsam wurden Schnittstellen der Zusammenarbeit beider Einrichtungen gefunden: Projekte der interkulturellen Begegnung sollen helfen, bei Menschen in Sachsen-Anhalt Verständnis für Flucht und Migration zu erzeugen.

Zuvor sprach er mit Bischof Dr. Gerhard Feige über die besondere Situation in der Diaspora. Vieles erinnerte den ehemaligen Missionar im Amazonasgebiet an seine Zeit in Brasilien. „Kirche ist Kirche, auch wenn der Pfarrer nicht da ist“, so Spiegel. Mit großem Interesse nahm er deshalb auch die Arbeit im Bistum wahr, Wege für eine lebendige Gemeinde zu finden, auch wenn sie keinen  kanonischen Pfarrer mehr hat.

Als Einstieg in die Unterhaltung auch im Eine-Welt-Haus präsentierte Spiegel zunächst einige Hintergrundinformationen über seine Arbeit. Mit einem Budget von rund 240 Millionen ist es das Hauptziel MISEREORS, bereits bestehende Organisationen in den benachteiligten Ländern zu unterstützen. Insgesamt arbeitet MISEREOR mit über 1700 Partnerorganisationen zusammen. Dabei werden die Grundideen der unmittelbaren Nothilfe, der Hilfe zur Selbsthilfe und der Lobbyarbeit verfolgt. Zu dem Letzteren gehöre unter Anderem das Anklopfen und auf sich aufmerksam machen in der Politik, besonders in Deutschland und auf europäischer Ebene.

Die Aufgaben von MISEREOR verbinden die Themen der gesellschaftlichen Strukturen, der Nachhaltigkeit und der Klimaveränderungen. Unsere Welt lebt schon seit längerem von Ressourcen, die für die Zukunft bestimmt sind. Hinzu kommt, dass es durch den übersteigerten Lebensstandard nicht möglich ist, Klimavorgaben einzuhalten. Das schlimmste dabei sei, dass diejenigen, die am wenigsten zu den daraus resultierenden Problemen beitragen, als erstes und am stärksten von den Folgen betroffen sind.

Diese Aufgaben münden für Spiegel in der Frage, wie MISEREOR sich bei diesen Schwierigkeiten einbringen kann. Eine Antwort sieht er in den vielen Engagierten Menschen, die sich an dieser Gesprächsrunde beteiligen: „Für den Beitrag, den Sie leisten, ziehe ich den Hut. Ohne Ihre Tätigkeit könnte MISEREOR nicht so viel erreichen.“

Nun folgte die eigentliche Gesprächsrunde, in der jeder die Möglichkeit hatte, seine Meinung kund zu tun. Schnell kristallisierte sich eine scheinbare Ohnmacht unter den Anwesenden heraus, da einer nachhaltigen Weltentwicklung viele Hindernisse im Weg stehen. Einige versuchten, diese Hindernisse mit der Politik und der Wirtschaft zu erklären, was durch bestimmte Lobbyarbeit ja auch nicht vollständig zu verneinen ist. Jedoch stellt Spiegel fest: „Ich finde Lobbyarbeit nicht schlimm. Wir betreiben diese ja auch.“

Aus dem Gespräch wurde bei dem Thema Politik nun eine lebhafte Diskussion, bei der ein Teil der Anwesenden die Problematik in einem Schwarz-Weiß-Denken analysierte. Auf der einen, der „bösen“ Seite stehen die Politik und das Kapital als „die Mutter aller Probleme“. Die Gegenseite bildet ein „Wir“, das Gute, das weiß, „wo die Quelle des Bösen ist“. Das Anprangern der Politik und der Verweis auf die eigene Vernunft sind jedoch sehr einfache Antworten auf sehr schwierige und komplexe Fragen. Hinzu kommt die Frage wer das „Wir“ und wer „die Politik“ ist. Sind nicht „wir“ als Wählerinnen und Wähler auch Teil der Politik?

In diesem Zusammenhang schildert Spiegel ein Gespräch, in dem es um eine „Öko-Diktatur“, also um das genaue Gegenteil der jetzt scheinbaren Demokratie ohne Nachhaltigkeit ginge. Doch auch dies sei keine optimale Lösung.

Eine Abweisung der Verantwortung und der Gedanke: „So lange die Politik nichts zustande bekommt, kann ich als kleine Person auch nichts ausrichten“ sind somit nicht zulässig. „Ohne eigene Veränderung wird es (eine Verbesserung der aktuellen Lebensumstände) nicht gehen“, so Spiegel.

(TT/KEB/sus)

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