nachgefragt

Begegnung mit Gottes Wort

Die allsonntägliche Eucharistiefeier kann an immer mehr Orten im Bistum Magdeburg nicht mehr gewährleistet werden. Trotzdem ist es vielen Gemeinden wichtig, miteinander Gottesdienst zu feiern. Uwe Staab aus Uebigau (Pfarrei St. Franziskus, Bad Liebenwerda) hat einen besonderen Dienst übernommen und erzählt im Interview mit Luzia Neubert von seinen Erfahrungen.

Herr Staab, Sie sind Wort-Gottes-Feier-Leiter: Wie ist es für Sie, Gottes Wort zu verkünden und dieses mit der Gemeinde zu feiern?

Ich tue diese Aufgabe sehr gern, weil ich mich gern mit den Texten des Alten und Neuen Testamentes beschäftige, gern singe und mir manchen Liedwunsch ganz nebenbei erfüllen kann. Einige Anregungen dazu bekam ich vor vielen Jahren beim Grundkurs "Theologie im Fernkurs". Dieses Beschäftigen macht auch etwas mit mir selbst. Wie bei jeder Begegnung mit Gottes Wort sehe ich danach manches im Leben mit anderen Augen.

Gleichzeitig ist dies für mich ein Stück Mission. Nicht dass durch die Wort-Gottes-Feiern unbedingt neue Christen gewonnen werden, aber es ist ein kleiner Beitrag, Gemeindeleben ein Stück weit am Leben zu erhalten. Ich lerne dabei, meinen Glauben besser in Worte zu fassen und anderen mitzuteilen. Manchmal eben auch Nichtchristen. Nach mancher Wort-Gottes-Feier gibt es eine kleine Gesprächsrunde über die Feier, das freut mich besonders. Kurz gesagt: gemeinsam an der Frohen Botschaft dranbleiben.


Die Anmeldung zu einem Wort-Gottes-Feier-Leiter-Ausbildungskurs ist sicherlich der letzte Schritt eines langen Weges von Abwägung und Entscheidung. Wie kamen Sie dazu, sich für diesen Dienst ausbilden zu lassen?
Als ich mich 2010 für diese Ausbildung interessierte, war es gar nicht so klar, wohin dieser Weg führt. Ich hatte die Stationsgottesdienste im Kopf, die ich als Knirps miterlebte. Wie ich dann feststellte, ist die Wort-Gottes-Feier doch etwas ganz anderes. Zudem hatten wir in dieser Zeit noch vier Priester in der Pfarrei, deren Abschied zum Teil auch nicht vorhersehbar war. So war es zunächst einmal das Interesse an Liturgie und Verkündigung, das mich dazu bewogen hat. Und sicher auch Mut machende Worte einiger Gemeindemitglieder, die mich als Ministrant und Lektor kennen.

In vielen Gemeinden unseres Bistums ist die Wort-Gottes-Feier ein fester Bestandteil gemeindlichen Lebens und ein Teil vielfältiger liturgischer Formen, die die katholische Kirche kennt.  Wie oft kommen Sie zum Einsatz? Auch sonntags?
Ganz verschieden. Anfangs eher sporadisch, da, wie schon erwähnt, mehrere Priester ihren Dienst in der Pfarrei taten. Dann wurde es doch häufiger, als erst Pater Ansgar Schmidt die Pfarrei verließ und dann Pfarrer Heinz Werner. Da gab es dann schon Situationen, dass nach mehreren Orten mit Gräbersegnung und dazugehörigen Andachten auch noch drei Adventssonntage folgten. Das war aber die Ausnahme. Mit dem Pfarrgemeinderat gab es dann eine Absprache, dass ich vierwöchentlich eine oder wenn nötig mehrere Wort-Gottes-Feiern am Samstagabend und Sonntagvormittag halte.

Eine Anmerkung zu den vielfältigen liturgischen Formen in der katholischen Kirche: Anfangs habe ich die Wort-Gottes-Feiern nicht in liturgischer Kleidung, sondern in guter Sonntagskleidung gefeiert. Ich wollte damit meine Nähe zur Gottesdienstgemeinde deutlich machen und dass jeder nach entsprechender Beauftragung diesen Dienst tun kann. Und gemäß dem Werkbuch oder wie auch in unserem Gotteslob vorgeschlagen: ohne Kommunionfeier. Dies schien mir dem Begriff Wort-Gottes-Feier gerecht zu werden.

Diese relativ neue liturgische Form des Gottesdienstes wollte ich auch in der Gemeinde vorstellen: dass es sich eben nicht um einen Stationsgottesdienst wie in früheren Zeiten handelt und auch keine Alternative zur Eucharistie-Feier darstellt. Denn deren besondere Stellung soll doch unmissverständlich beibehalten werden. Die so gestaltete Wort-Gottes-Feier wurde von einigen Gemeindegliedern sehr geschätzt. Doch die Mehrzahl wollte den Sonntagsgottesdienst möglichst wie gewohnt feiern, also mit Kommunionausteilung. Auf Beschluss des Pfarrgemeinderats habe ich dann meine Form angepasst. Also es gibt durchaus auch Konflikte, die zu bewältigen sind.

Sie haben Familie, Frau und Kinder, und sind berufstätig. Können Sie diese Aufgabe in Ihren Alltag integrieren? Wo gelingt es? Wo stoßen Sie an Grenzen?

Meine Frau hilft mir sehr dabei, die Zeit der Vorbereitung ungestört zu haben. Sonst würde es nicht funktionieren. Sie ist übrigens engagiertes Mitglied der evangelischen Gemeinde. Am Sonntagnachmittag vor jeder Wort-Gottes-Feier versuche ich mir die Lesungen, den Psalm und das Evangelium anzuschauen, dabei möglichst einen Kernsatz herauszuarbeiten und das Gerüst zu entwerfen. In der Woche beschäftigt mich dann natürlich dieses Thema und ich halte die Gedanken fest, die mir dazu kommen. Manchmal aus Begegnungen und Situationen heraus. Zum Ende der Woche füge ich dann alles zusammen. Ich suche passende und auch singbare Lieder heraus und Fürbitten, die sich unter anderem auch am aktuellen Geschehen orientieren. So entsteht die Feier mitten im Leben. Hört sich erstmal ziemlich pragmatisch an. Aber wie gesagt: man sieht vieles, was so um einen herum passiert, während dieser Vorbereitung mit anderen Augen. Das trägt dann auch weiter.

Vielen Dank für das Gespräch.
Luzia Neubert
Fachbereich Pastoral
Uwe Staab
wurde 1968 in Torgau geboren, wuchs in Falkenberg auf und lebt heute in Uebigau. Er machte eine Ausbildung zum Lokschlosser und ist seit über zwanzig Jahren als Automechaniker tätig (viermal von Elternzeit unterbrochen). Er ist verheiratet und hat vier Kinder zwischen 9 und 17 Jahren. Seit 2011 leitet er Wort-Gottes-Feiern.
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Newsletter des Fachbereichs Pastoral in Kirche und Gesellschaft

im Bischöflichen Ordinariat Magdeburg

(Ausgabe August 2018)
Titelbild "Edelstein": © CC0 Dieter444 via pixabay;
Portrait: © privat

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