nachgefragt

Mitten drin: Sekretärin im Pfarrbüro

Auf den ersten Blick ein reiner Schreibtisch-Job: Verwaltungsaufgaben erledigen, E-Mail-Anfragen beantworten, Termine sowie den Einsatz engagierter Gemeindemitglieder koordinieren, Pfarrbücher führen und Statistiken erstellen. Allein für diese Tätigkeiten braucht es schon vielseitig kundiges Personal. Doch das Aufgabengebiet von 36 Pfarrsekretärinnen und 4 Pfarrsekretären im Bistum Magdeburg ist deutlich umfangreicher. Grund genug für einen zweiten Blick. Ein Gespräch mit Bianca Gorys, seit 2018 Pfarrsekretärin der Pfarrei St. Bonifatius, Bernburg.

Frau Gorys, 2018 war für Sie ein Jahr der Veränderung und des Neubeginns. Was hat Sie nach Bernburg geführt und wie kam es dazu, dass Sie dort nun im Pfarrbüro die Fäden zusammenhalten?
Bianca Gorys: Mein Mann arbeitete bereits seit mehr als 3 Jahren in der Region, während unsere zwei Kinder (jetzt 7 und 11 Jahre alt) und ich noch in Ostwestfalen wohnten. Wir wollten nicht länger als „Wochenend-Familie“ leben und haben uns auf die Suche nach einer neuen Heimat gemacht. Dabei sind wir auf das schöne Städtchen Bernburg aufmerksam geworden. Als wir uns in unserer neuen Gemeinde St. Bonifatius im Pfarrbüro vorgestellt haben, habe ich zu meinem Mann gesagt: „Das wäre ein Job für mich!“ Einige Zeit später wurde die Stelle ausgeschrieben und ich habe mich beworben.

Was steht in den kommenden vier Wochen auf Ihrer Agenda? Mit welchen Anliegen wenden sich die Menschen (in und außerhalb der Regel) an das Pfarrbüro?
Wichtig werden in den kommenden Wochen die Vorbereitungen der Fahrten und Feste unserer Gemeinde im Sommer sein. Außerdem feiern wir im Mai Erstkommunion und ich möchte die Abrechnung zu unserem letzten Bauprojekt abschließen. Hinzu kommen die vielfältigen Anliegen, mit denen die Menschen ins Pfarrbüro kommen: Neben den eher alltäglichen Wünschen, wie z.B. Kirchgeld bezahlen oder eine Messe bestellen, gibt es besonders fröhliche Anliegen, wie die Anmeldung einer Trauung oder Kindstaufe, aber auch sehr traurige Anlässe, wie Gespräche über Krankheiten oder den Todesfall eines geliebten Menschen. Hier bin ich erste Anlaufstelle.


Gelingt es Ihnen für jede noch so unterschiedliche Lebenssituation die richtigen Worte zu finden? Wie bereiten Sie sich auf schwierige Momente und Gespräche vor?
Ich glaube, die „richtigen“ Worte sind je nach Situation und je nach Gegenüber immer sehr verschieden. Sich mit anderen zu freuen ist natürlich viel einfacherer, als jemandem gegenüber zu sitzen, der trauert. Dann sind es vermutlich eher Mitgefühl und Aufrichtigkeit, die die Worte richtig erscheinen lassen. Ich habe eine pädagogische Ausbildung und habe mich dabei mit Kommunikation beschäftigt. Allerdings verlasse ich mich auch auf mein Gefühl. Ich hoffe, dass die Menschen etwas erleichtert und vielleicht getröstet das Pfarrbüro wieder verlassen.

Als Pfarrsekretärin sind Sie offiziell keine Seelsorgerin, und doch ist Ihre tägliche Arbeit weit mehr als ein Bürojob. Werden Sie bzw. wird Ihre Berufsgruppe ausreichend ernstgenommen und wertgeschätzt?
Das ist eine schwierige Frage… Obwohl ich merke, dass manche Leute unterschätzen, welche Aufgaben meine Arbeit umfasst, meine ich, dass unsere Gemeinde die Pfarrsekretärin sehr wohl zu schätzen weiß! Wenn ich daran denke, wie schön meine Vorgängerin verabschiedet und wie herzlich ich aufgenommen wurde, sehe ich, wie wichtig diese Stelle für alle ist. Im Team – also von unserem Pfarrer, dem Gemeindereferenten und dem Kirchenmusiker – sowie von Seiten des Kirchenvorstands, des Pfarrgemeinderats und von den Ehrenamtlichen kommt positives Feedback. „Wir sind froh, dass wir Sie haben!“ war das schönste Kompliment, das ich von einem Gemeindemitglied bekommen habe.
Ein Ohr am Telefon und den Blick auf den E-Mail-Eingang am Bildschirm gerichtet, während sich die rechte Hand durch einen Ordner mit Rechnungen arbeitet. Wie gelingt es Ihnen mit ganzem Herzen dabei zu sein?
Mit Menschen zusammenzuarbeiten war immer mein Wunsch. Dieses verbunden mit Bezug zur Religion und den so abwechslungsreichen Aufgaben, ist gerade das, was mir gefällt!

Wo werden Sie außerhalb des Pfarrbüros auf Kirche und auf Ihre Arbeit angesprochen? Welche Fragen und Reaktionen begegnen Ihnen dann?
Angesprochen wurde ich schon von Eltern im Sportverein der Kinder, im Freundeskreis und auch von flüchtigen Bekannten. Dabei hatte ich immer den Eindruck, die Fragen seien eher von großer Neugier und viel Interesse als von Ablehnung geprägt. Berührt hat mich das Gespräch mit einer jungen Frau, der gar nicht bewusst war, dass die Kirche auch Arbeitgeber ist. Zuerst sagte sie knallhart „Ich glaube nicht an Gott. Ich glaube ja auch nicht an Geister!“. Später aber hat sie überlegt „Wenn ich denke „Lieber Gott, hilf mir jetzt bitte!“ dann ist das ja schon irgendwie beten, oder?“

Kommunikation ist das A&O Ihrer Tätigkeit: Fällt es Ihnen leicht über Ihren Glauben zu sprechen?
Nein, gerade so ein persönliches Thema wie den Glauben finde ich nicht einfach zu erklären. Da ziehe ich wirklich den Hut vor allen Geistlichen. Allerdings möchte ich immer ehrlich zu meinem Glauben stehen und diesen im Alltag leben. Hier finde ich es wichtig, alle Fragen dazu ernst zu nehmen und auch ehrlich zu beantworten. Bislang habe ich damit nur positive Erfahrungen gesammelt. Wenn aber jemand Religion und Kirche absolut ablehnt, dann werde ich ihn vermutlich nicht bekehren können – aber vielleicht kann ich Gedankenanstöße liefern und damit für ein bisschen mehr Offenheit und Verständnis sorgen.

Ihr Fazit nach einem Jahr als Pfarrsekretärin: Was macht Freude? Worauf könnten Sie gerne verzichten? Wo sehen Sie Entwicklungspotential bzw. Veränderungsbedarf für Ihre Berufsgruppe?
Mir gefällt es sehr, dass ich so viel Kontakt zu den Menschen habe. Verzichten könnte ich auf technische Probleme, wie z.B. Papierstau im Kopierer – nein, Spaß beiseite: Ich mag meine Arbeit gern und erlebe, dass das Pfarrbüro sowohl in der Verwaltung der Pfarrei als auch als erste Anlaufstelle sehr wichtig ist. Gezielte Schulungen in den Bereichen Kommunikation und Verwaltung können uns Pfarrsekretärinnen und -sekretären helfen, unsere Arbeit noch zu verbessern.

Vielen Dank für das Gespräch!
Stefan Malik
FB Pastoral
 
Bianca Gorys
ist 1975 in Köln geboren. Nach dem Studium der Erziehungswissenschaften (mit Schwerpunkt Erwachsenen- und Weiterbildung) an der Universität Bielefeld und Zwischenstationen in Lemgo und Herford, zog es sie 2018 nach Bernburg, wo sie nun seit gut einem Jahr als Pfarrsekretärin für die Kath. Pfarrei St. Bonifatius arbeitet. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder.
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MOMENT. Pastoral-Magazin aus dem Bistum Magdeburg.

Herausgeber: Fachbereich Pastoral in Kirche und Gesellschaft
im Bischöflichen Ordinariat Magdeburg
(Ausgabe April 2019)

 
Bildnachweise:
Titelbild "Telefon": © 
CC0 Negative Space via pexels;
Bild "Kaffee": © CC0 StockSnap via
pixabay;
Portrait: © privat
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